China und die Nemesis

Seit der Großen Hungersnot, die der Kommunismus der ersten Volksrepublik Chinas unter Mao Tsê-tung hervorbrachte, gab es in China nicht solch drastische Massnahmen einschliesslich Marktschließungen. Die Reduzierung des Datendurchsatzes im Internet auf wenige kb gleicht einer Kommunikationssperre, welche wohl seit dem letzten grossen Knall in 2015 obligatorisch zu sein scheint. Das System ist heruntergefahren.

Es ist der 29. Januar des Jahres 2020. Auf den Strassen der geschlossenen Megacities Chinas ist niemand zu sehen. Deren Bewohner verdingen sich dort für gewöhnlich in den Billigstlohn-Subunternehmen westlicher Räuberei. Die Arbeiter haben die Städte verlassen und sind in ihre Dörfer und kleinen Städte gezogen, hin zu ihren Verwandten auf dem Lande, welche sich gleichmässig über ganz China verteilen.

Was war geschehen? Hier eine These:

Mithilfe einer Synthese aus den Strategemen 7, 9, 10, 11, 22 und 27 hat Chinas kommunistische Regierung potemkinsche Maßnahmen ausgerufen, weil ein „Virus“ kurz vor dem traditionellen, chinesischen Neujahrsfest in Wuhan ausgebrochen sei. Dazu wurde die Propaganda medialer Angst auf globale Spitzen getrieben und die Medienkonzerne des Westens können dankbar ihren Umsatz ein wenig steigern mit Hähme und Kurzsichtigkeit.

Bemerkenswert aber ist, dass seit der Großen Hungersnot, die der Kommunismus der ersten Volksrepublik Chinas damals unter Mao Tsê-tung hervorbrachte, es nicht solch drastische Massnahmen einschliesslich Marktschließungen gab. Das Herunterfahren des Internets auf wenige kb Datendurchsatz in den Grosstädten ist sowohl den nicht anwesenden Nutzern geschuldet als auch der, – seit dem letzten grossen Knall in 2015 [1] obligatorischen – Nachrichtensperre. Die Industrie, die Bildungssysteme und das Verkehrsnetz sind komplett heruntergefahren.

Aber im Gegensatz zur Meinung der meisten westlichen Beobachter meine ich, dass diese augenscheinlich wohldurchorganisierte „Krise“ tatsächlich positive Auswirkungen auf die chinesische Gesellschaft zeitigen muss, denn wegen des Neujahrsfestes sind komplette chinesische Belegschaften in ihre Sippenstammsitze auf dem Lande gezogen, wo man Selbstversorger ist. Die für gewöhnlich in den Grossstädten malochenden Eltern sind glücklich, da sie ihre Kinder sonst nur eine oder zwei Wochen pro Jahr sehen, denn die Kinder werden in der Regel von den betagten Großeltern auf dem Land aufgezogen. Dieses Neujahr feiert man also besonders ausgelassen, weil ein bisschen länger.

Die „Krise“ brach also in einer Zeit des Jahres aus, als alle Generationen der chinesischen Gesellschaft friedlich feiernd versammelt sind. Dies muss für eine Gesellschaft, die bis vor noch nicht allzu langer Zeit überwiegend landwirtschaftlich tätig war, psychologisch von Vorteil sein. Sogar die studierenden Jugendlichen helfen ihren Eltern auf dem Land und finden sich auch hier in ihrer genuinen Aufgabe wieder, die Sippe zu unterstützen – so können die Universitäten einstweilen beliebig geschlossen bleiben, ohne Studentenaufstände fürchten zu müssen. Der monatelange, ideologisch befeuerte Hong-Kong-Aufstand ist einstweilen zwangsbefriedet und seine Wasserträger werden zuhause auf dem Land auf buchstäblich natürliche Weise von den eigenen Verwandten mit Mohrrüben, Reis und Feldarbeit zum Back-to-the-Roots erzogen.

Chinas Makrostrategie

Aber trotz allem bleiben die sechsunddreissig Strategeme für China die Grundlage für den Export ihrer kommunistischen Ideologie zur Erreichung der Weltherrschaft. Dass man dies nicht bemerkt, liegt an der subtilen Agent Provokation. Der grösste Feind Pekings neben dem Christentum*, dem Islam* und den Uiguren* ist für den Moment der kapitalistische Liberalismus, der über die Bernays’sche Propaganda der westlichen Marketingindustrie stets Gefahr läuft, den Nachwuchs an den chinesischen Unis (vgl. Lackmuseigentest Hong-Kong) zu ideologisieren, mithin zu orchestrierten Aufständen zu verführen und somit die Macht der Partei zu untergraben nach Art von „Cooking-The-Frog“. Die Universitäten in den Grosstädten für das ganze nächste Semester geschlossen zu halten, ist also ein entscheidender Hinweis auf Pekings Makrostrategie.

Im Wesentlichen beinhalten die aktuellen Strategiemassnahmen „Viren“ als Tarnung für einen weltökonomischen Hybridkrieg zuerst einstweilen gegen den zweifellos geistig völlig verkommenen kapitalistischen Westen, indem zunächst das eigene Wirtschaftssystem kontrolliert heruntergefahren wird, um alsdann in einen wirtschaftlichen Dauerzustand minimalsten Eigenenergieverbrauchs bei maximal effektiver Selbstversorgung einzuschwenken auf ein zwar niedriges aber ausreichend existenzielles Niveau.

Selbst für den Fall, dass nächste Woche alles wieder seinen normalen Gang nähme, sind schon jetzt die makroökonomischen Erkenntnisse der Regierung Chinas für eine spätere Neuauflage nicht mit Gold zu bezahlen.

Was für die obige These spricht ist, dass China sich quer durch alle Bevölkerungsschichten und Industriezweige schon seit langem intensiv per staatlicher Verordung auf solche Fälle vorbereitet durch Bevorratung der gesamten Palette an Rohstoffen, einschließlich Bevorratung von Lebensmitteln, sowie Metalle, elektronische Bauteile und alles, was zur rudimentären Langzeit-Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung nötig ist. Davon kann der Westen nur träumen.

Was könnten die Konsequenzen für notorische Räuber sein?

Gold dreht ins Plus, BTC auch, die Weltwirtschaft dreht ins Minus und Öl dito. Den Russen in ihrer Eigenschaft als Selbstversorger kann das alles gleichgültig sein, denn sie sind relative Armut gewohnt und bisher von den hybriden Wirtschaftssperren der EU und der USA unbehelligt geblieben, im Gegenteil, sie können landwirtschaftliche Erzeugnisse und Öl sogar abseits des Greenbacks exportieren.

Wenn aber die amerikanischen Verbrenner-Ideologen mangels allzu gewohnter Möglichkeiten räuberischer Gewinnmaximierung durchdrehen, verbliebe ihnen nur eine einzige Option, und zwar nicht nur um den Ölpreis hoch zu halten…. Was machen denn notorische Räuber von Berufs wegen, wenn sie zwar Gold haben, aber nichts zu beissen? Sie werden womöglich blindlings in jenes offene Messer rennen, welches hinter dem grünen potemkinschen Dorf lauert.

Aber ganz gleich, wie man die Geschichte und den State Of The Art interpretiert: die über allen Räubern schwebende Nemesis [2] lässt sich nicht abschütteln.

Paul Michael Heliosch

*Das Christentum, insbesondere die katholische Kirche ist in den Augen der Kommunistischen Partei Chinas seit der jüngsten Vereinbarungen mit Rom das geringere Übel. Warum sie für die Partei dennoch von Übel bleibt, liegt in der intrinsischen Motivation der Lehre unseres Herrn Jesus Christus, die sich dem Suchenden, und nur ihm, voll erschliesst. Warum sich der Mohammedanismus chinesischer Planwirtschaft verweigern muss und ebenfalls interniert wird, liegt in seinen freiheitsliebenden beduinischen Wurzeln, die über die patriarchalischen Familienbande hinaus nur noch Allah selbst und auf Erden seinen Propheten und dessen Verkünder (Imame) als übergeordnete Herrschaft zulässt. Warum die Uiguren aber von Peking einer Sonderbehandlung in Umerziehungslagern unterzogen werden, liegt an den gewaltigen Scherkräften ihrer Religion des (gnostischen) Manichäismus, bzw. dessen Anspruch auf religion-, mithin ideologieübergreifende Deutungshoheit unter Ausschluss des Kaisers, mithin Staates, was wiederum den wichtigsten Unterschied zum Christentum darstellt, mit seinen naturrechtlich wohlbegründeten Präferenzen für beide, Staat und Kaiser.

[1] Tianjin: Explosion 2015: YT-Videolink

[2] Die Nemesis auf einem gemeinfreien Wikipedia-Foto eines Gemäldes von Alfred Rethel aus dem Jahre 1837 https://de.wikipedia.org/wiki/Nemesis#/media/Datei:Alfred_Rethel_002.jpg


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Dieser Artikel wurde erstmals veröffentlicht am 30. Januar 2020 auf www.INTRINSIS.de unter https://intrinsis.de/2020/01/30/china-und-die-nemesis/

PH – 2020-01-30 – 2020-01-31 – 2020-03-05

(c) INTRINSIS.de – PH.TXT.China-und-die-Nemesis_D – 202003050758cci


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