Der Schein schlauer Kaiser und das Mahlen der Mühlen Gottes

Im Jahre 321 hatte ein römischer Kaiser um seines Machterhaltes willen klein beigegeben und liess die Kinder Gottes erwachsen werden. Er selber bequemte sich kurz vor seinem letzten Schnaufer gegen den Trend der Erwachsenen Kind Gottes werden zu wollen, also in dem Moment in dem für ihn irrigerweise feststand, dass man nicht noch mehr an Annehmlichkeiten herausholen könnte aus seinem Leben – man könnte also nicht behaupten, dass Konstantin nicht berechnend war. Seitdem jedoch schallt uns jenes Herrenwort umso lauter ins Ohr, …nämlich so werden zu müssen wie die Kinder sind, andernfalls droht die Zweckentfremdung von Mühlsteinen.

Leider schallt dieses Wort heute nahezu vergeblich. Die Lautstärke jenes Wortes hat heute, am 15. April anno Domini 2020 ohrenbetäubende Dimensionen angenommen. Aber was macht das schon, denn der Taube erfreut sich einer Stille, die nur ihm vergönnt ist zu geniessen. Ob also die konstantinische Wende ein Segen für die Welt war, wird womöglich erst der Jüngste Tag offenbaren, aber eine Meinung hierzu erlaube ich mir HEUTE haben zu dürfen, wenngleich ich diese aus hoffentlich nachvollziehbaren Gründen nicht als mein grösstes Glöckchen an meinen Narrenhut zu hängen beabsichtige, denn dieses Privileg gebührt Gretchen mit geballter Faust anlässlich der Kapitulation Goethes am 8. Mai [1].

War die konstantinische Wende ein Segen?

These PRO

Gott ist ohne Zweifel der Gott der Ordnung. Der Befehl Jesu das Reich Gottes zu suchen, ist unweigerlich verknüpft mit der Suche nach der Ordnung jenes Reiches. Die Suche nach Gott ist also die Suche nach Seiner Ordnung. Im Herrengebet machen wir uns den Willen Gottes zu eigen, die Ordnung des Reiches Gottes so wie sie im Himmel existiert, auch „auf Erden“ zu verwirklichen. Warum es jedoch Gott wichtig zu sein scheint, dass wir in der deutschen Übersetzung den Plural verwenden, erweist sich als interessante Frage. Meint Er mit „Erden“ die Kontinente oder meint Er die Summe bewohnbarer Planeten? Meint Er den Pantheismus des Jesuiten Teilhard de Chardin oder meint Er den Staub der Sekundärmaterie, aus dem jeder einzelne Mensch gemacht ist? Oder meint er vielleicht etwas anderes, unerwartetes? Der Antwort auf diese Frage nähere ich mich über die nun folgende These „CONTRA“ im Hinblick auf die lateinische Version des Herrengebetes: „…et in terra.

These CONTRA

Die Folgen der Missinterpretation dessen, was das Reich Gottes auf Erden seit Seines Sieges über Tod und Sünde sein soll, zeigen eindeutig, dass in extrinsisch motivierter [2] Auslegung der Worte Jesu die Ursache für solch fatale inquisitorische Entscheidungen verborgen liegt, wie zum Beispiel öffentliche und insgeheime Verbrennung, Brandmarkung und Denunziation. Das dunkelkatholische Anschwärzen Dritter beim Bischof durch meist anonyme Briefe scheint eine quasikatholische Unsitte zu sein, die jedem gutmenschelnden Bischof in aller Härte den wahren Zustand seiner Herde offenbart: SCHWARZ WÄCHST DIE WOLLE SEINER SCHAFE, dunkel also ist der Katholik! Ja, die Wahrheit über uns ist hart: wir sind böse. Aber wir sollen nicht böse bleiben, denn unser Erlöser gab uns den Befehl umzukehren. Wir sollen EBEN NICHT bleiben wie wir sind.

„Ich bin aber nun einmal so, daran kannst du nichts ändern!“

Im vermeintlich tröstenden Lieblingsspruch jener, die sich vom Diözesanpsychologen in ihrem zunehmend schwächelnden „Selbstbewusstsein“ lebensuntauglicher Sozialklerikalisten von einem Termin zum anderen stärken lassen, also in jenem „Bleib wie du bist!“, offenbart sich der inhärent demokratische Trotz wider die Rechte Gottes und das Unvermögen menschlicher Kraft bei der Lösung des Problems schwarze Wolle weiss waschen zu wollen.

Hier erweist sich der Pelagianismus [3] als höchst wohlfeil, unseren Bauch mit „leckerem Pflaumenmus“ vollzupinseln: lasst uns einfach ein bisschen fromm handwerkeln und gegenseitig die Wolle waschen und mit ein wenig – aber bloss nicht ZU wenig – „Wasserstoffperoxid“ nachhelfen, dann wird sich mit der Zeit schon der Wille Gottes auf Erden durchsetzen. Wo kämen wir auch hin, wenn wir alles nur der Gnade Gottes überliessen? MITWIRKUNG ist zwar das Zauberwort, aber Nachhelfen ist gemeint. So nimmt es nicht wunder, dass sich auf dem begehrten „Pflaumenmus“ die Fliegen tummeln, dass z. B. die geschäftige Martha zur Säulenheiligen eines katholizistischen Feminismus mutiert und Frauenbünde in katholizistischer Ausprägung als ultima ratio zur Rettung der Kirche die „Frauenweihe“ fordern, sozusagen als letzte Raketenstufe der KdF…B vor ihrer längst fälligen Explosion aufgrund fehlerhafter Navigationssoftware. Solcherlei Ansinnen zum Zweck der Erlangung von Kraft durch Freude sind nichts weiter als spastische Zuckungen eines teuflischen, interreligiösen Klerikalfaschismus, d.h. klerikalistischen Bündlertums [4], das auf pathologisch agressive Weise seine eigene Version des Reiches Gottes um jeden Preis, koste es was es wolle und sei es um den Preis der Rechte Gottes – ius naturae -[5], durchdrücken will.

Die Ideologie des Klerikalismus muss die heilige Mutter Kirche ignorieren, die in weiser Voraussicht schon im ersten Vatikanum jene Irrtümer in einer langen Liste [6] anzuklagen sich bemüssigt sah, die sich dann auch im 20. Jahrhundert notwendig zu voller (kirchen-)demokratischer Blütenpracht entwickeln mussten, weil man vergass das Konzil zu beenden [7].

Noch sprechen wir nicht von den in Kürze zu erwartenden bittersüssen Früchtchen, deren Hohlspitzen der eine oder andere seit Januar 2020 schon hervorspriessen sieht: jene „Spitzen“ können einem schon ziemlich unter die Haut gehen, die faule. Jene Faulheit des Denkens pelagianisch [8] weiss gefärbter Schafe ist gemeint, die sich in der willfährigen Dienstbeflissenheit zeigt, in der ein geweihter Bischof in der vorauseilend piefigen Unterwürfigkeitsgeste eines Staatsbeamten Gottesdienste absagt oder gar den Gottesdienstbesuch verbietet und zugleich seinen polizeilichen Beamtenkollegen ein irdisches Recht zubilligt, himmlische Handlungen zu unterbrechen um den schwarzen Schafen übertrieben weinerlich jene Sakramente verweigern zu können, die sie sowieso nicht verdient hätten. Dagegen sind die weissgefärbten Schäfchen schon handzahm gestriegelt: denen reicht die eingebildete Rechtgläubigkeit auf „suggestiven Zuruf“, durch „Beobachtung heiliger Gesten“ und warme, bischöfliche Empfehlungen doch bitte, bitte zuhause, im stillen Kämmerlein Autosuggestion zu betreiben, denn damit komme man schliesslich auch in den Himmel. Wenn dies erst der Anfang vom Ende ist, dann wird wohl dereinst, wenn alle Stricke reissen, auch ein frömmelndes Achselzucken reichen.

Immerhin wird durch die CV-Massenhypnose jener Zustand offenbar, den der Teufel unbedingt haben will: 1. weisse Schafe benötigen keine Sakramente, 2. Staatsbeamte sind die Herren der Kirche, 3. Die Religion der Guten besteht aus Pelagianismus, Fideismus und Klerikalismus.

Ich spreche also in dieser „These CONTRA“ von nichts weniger, als vom öffentlich vollzogenen Kniefall der konstantinisch gewendeten Kirche vor ihrem gehörnten Herrn der Welt und seiner quasi- weil antikatholischen Agenda. Ich spreche von der These, dass die so genannte konstantinische Wende ein Trick des Teufels war, eine irrlichternd verführerische Ablenkung vom Fokus auf das Reich Gottes, welches sich laut der Worte unseres Erlösers ohne äussere Zeichen [9] verwirklicht.

Jenes nicht von dieser Welt seiende Reich ist so, wie Gott selber ist: Gott ist Geist und sein Reich ist ein geistiges Reich. Der „Grammatische Gottesbeweis“ [10] von Prof. Spaemann zeigt eindeutig, dass das Reich Gottes ein geistiges Reich ist. Aber Klerikalfaschisten dienern um ihres Bündlertumes willen auf solche Weise, wie die Ureinwohner Amerikas ihre Freiheit dahingaben für C-Ware: bunte Glasperlen, Fusel sowie Langwaffen mit gebogenen Läufen und versetzter Kimme. Sie sind betrogene Betrüger.

Lange Zeit dachte ich, dass die Monarchie der Weisheit letzter Schluss sei, jedoch, es ist ihr vorletzter. Der Monarch von Gottes Gnaden ist lediglich ein Zugeständnis Gottes an die Schwäche des Menschen, die die leicht andressierbaren irdischen Formen äusserlichen Kotaus bevorzugt, weil sie die in Grenzsituationen kraftzehrenden, willentlichen Akte echter innerer Zuneigung fürchtet nicht leisten zu können. Ich denke, IHM wäre es lieber, wenn das soziale Königtum auf Erden in jeder einzelnen Nation ausgeübt würde durch unseren Herrn Jesus Christus vermittels der Kirche. Würden Ihn alle Menschen als Souverän anerkennen, dann vollzöge sich staatliche Ordnung im Äusseren durch gerechtes Gericht und Exekutive nahezu wie von selbst.

Der Gehorsam gegen den Staat findet seine Grenze an Befehlen wider die Rechte Gottes im Naturrecht -ius naturae-, wider das Völkerrecht, wider das Bürgerrecht, wider das Handelsrecht, wider das Menschenrecht. Freilich, einer offensichtlichen Tyrannis den Gehorsam zu Handlungen wider die Rechte Gottes zu verweigern ist verhältnismässig einfach. Schwieriger gestaltet sich die Sache, wenn ein Staat sich im Transformationsprozess zu ebensolcher befindet.

Aber trotz allem hallen die Worte der zweiten Person des trinitarischen Gottes durch den Kosmos: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch.“ [9]

Wenn wir also im lateinischen Herrengebet „…et in terra“ sprechen, dann ist damit der Beweis erbracht, dass das Reich Gottes inwendig ist, und die Sakramente der heiligen Mutter Kirche sind die Hilfsmittel im Hinblick auf das Reich, das Inwendige, auf das, was man eben NICHT sieht. Sie sind die permanenten Kraftakte rund um den Globus (und darüber hinaus) zur Wiederherstellung der in jedem Sündenfall gestörten geistigen Ordnung. Jeder Bischof verfügt über die absolute Jurisdiktionsgewalt, und mit solcher Auctoritas ausgestattet, ist es nicht nur dessen Aufgabe sondern für ihn auch absolut möglich, die schwarzen Schafe auf gute Weide zu führen.

Ein Bischof aber, der – egal aus welchem Rechtsgrund – den Empfang der himmlischen Hilfsmittel zum Aufbau des Reiches Gottes behindert, gibt den im NT erwähnten „Kleinen“ jenes Ärgernis, aufgrund dessen unser Herr Jesus Christus Mühlsteinen einen besonderen Platz in der Grammatik zugedacht hat [11].

Der Reichshofnarr v. Gottes Gnaden
_____

[1] „Gretchens Abschiedsfrage“
https://intrinsis.de/2020/05/08/gretchens-abschiedsfrage/

[2] „Extrinsische Motivation“ in Artikel „Intrinsische Motivation“
》 https://intrinsis.de/2018/06/17/intrinsische-motivation/

[3] „Pelagianismus“
》 https://intrinsis.de/2019/12/27/pelagianismus/

[4] Begriffsdefinition „Bündlertum“ in Artikel „Klerikalismus“
》 https://intrinsis.de/2018/04/18/klerikalismus/

[5] „Rechtspositivismus vs. Naturrecht“
》 https://intrinsis.de/2017/02/16/rechtspositivismus-vs-naturrecht/

[6] „Syllabus Errorum“, Sammlung geächteter Irrtümer 1. Vat. Konzil, Download .PDF

[7] „DAS Konzil“
》 https://intrinsis.de/das-konzil/

[9] LK 17, 20ff

[10] „Der Grammatische Gottesbeweis“
》 https://intrinsis.de/der-grammatische-gottesbeweis/

[11] MT 18,6


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Der Autor ist dem Herausgeber bekannt. Der Autor hat unter Auflagen das Exklusivrecht zur Publikation erteilt.

Dieser Artikel wurde erstmals veröffentlicht am 15. April 2020 auf www.INTRINSIS.de unter https://intrinsis.de/2020/04/15/der-schein-schlauer-kaiser-und-das-mahlen-der-muehlen-gottes/

PH – 2020-04-15 – 2020-04-17 – 2020-05-09 – 2020-05-10

(c) INTRINSIS.de – PH.TXT.Der-Schein-schlauer-Kaiser-und-das-Mahlen-der-Muehlen-Gottes_F – 202005110625cci


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